Zweckmäßigkeit bei inhaltlicher Sinnlosigkeit
Blindtexte werden ebenfalls zur Demonstration der Gestalt verschiedener Schrifttypen und zu Layoutzwecken verwendet. Sie ergeben in der Regel keinen inhaltlichen Sinn. Aufgrund ihrer verbreiteten Funktion als Fülltext für das Layout kommt einer Nicht-Lesbarkeit besondere Bedeutung zu, da die menschliche Wahrnehmung u.a. darauf ausgerichtet ist, bestimmte Muster und Wiederholungen zu erkennen. Ist die Verteilung der Buchstaben und die Länge der "Worte" willkürlich, lenkt beispielsweise nichts von der Beurteilung der Wirkung und Lesbarkeit verschiedener Schriftarten (Typografie) sowie der Verteilung des Textes auf der Seite (Layout oder Satzspiegel) ab. Deshalb bestehen Blindtexte meist aus einer mehr oder weniger willkürlichen Folge von Wörtern oder Silben. Wiederholungsmuster können also nicht den Gesamteindruck trüben und Schriftarten so besser miteinander verglichen werden. Dabei ist natürlich von Vorteil, wenn der Blindtext halbwegs realistisch erscheint, damit die Wirkung des Layouts der späteren Publikation nicht beeinträchtigt wird.
Blindtexte: Funktion als Platzhalter oder zum Vergleich der Wirkung von Schriftbildern
Blindtexte nennt man Texte, die bei der Produktion von Publikationen oder Webseiten als Platzhalter für spätere Inhalte stehen, wenn der eigentliche Text noch nicht vorhanden ist. Sie werden auch als Dummy-, Füll- oder Platzhaltertexte bezeichnet. Mitunter sollen Komponisten von Liedern Blindtexte beim Komponieren von Melodien benutzen und diese vor dem Dichten des Liedtextes singen. Bereits seit dem 16. Jahrhundert dürften Blindtexte bei Setzern üblich gewesen sein.
Automatische Erkennung von Lorem ipsum bei der Druckaufbereitung
Die Verbreitung von Computern und Layoutprogrammen machte Blindtexte also bekannter. Wurden früher einige Zeilen des Lorem ipsum-Textes in Blindtexten kontinuierlich wiederholt, so dient der Text Ciceros heute als Basis vieler Blindtext- oder Lorem ipsum-Generatoren. Diese erzeugen, auf ihn aufbauend, automatisch längere Abschnitte des Lorem ipsum-Textes oder aber verschiedene andere Platzhaltertexte.
Die Begriffsfolge des Lorem ipsum-Textes ist heutzutage so verbreitet und üblich, dass viele DTP-Programme Blindtexte mit der Anfangssequenz "Lorem ipsum" erzeugen können. Von großem Vorteil ist, dass die Begriffsfolge "Lorem ipsum" heute in der elektronischen Druckaufbereitung erkannt und eine Warnmeldung ausgelöst werden kann. Damit wird vermieden, dass eine Publikation mit einem verbliebenem Fülltext irrtümlich in den Druck geht.
Dass jedoch Füll- bzw. Platzhaltertexte beispielsweise von automatischen Such-Programmen nicht erkannt werden können, sinnlose Informationen somit nicht von sinnvollen zu unterscheiden sind, machen sich einige Internetanbieter zu Nutze: Gezielt erzeugter Blindtext, versehen mit einer spezifischen Kombination von Suchwörtern, kann zu einen erhöhten Zugriff von Suchmaschinen-Nutzern führen. Infolgedessen erhöhen sich die Werbeeinnahmen, die von der "Trefferzahl" der Web-Seite abhängen.